Scheidung und Altersvorsorge

 

Geordnete Trennung statt Rosenkrieg

Die größten Fehler vermeiden.

Am besten klären beide Partner in einer Ehe relativ frühzeitig finanzielle Auswirkungen einer möglichen Trennung. Dann ist für den Fall der Fälle vieles geregelt. Zehn Experten-Tipps, damit eine Scheidung nicht in einen Rosenkrieg ausartet:

Tipp 1: Güterstand gut überlegen

Bei der Eheschließung sollte es kein Tabu sein, sich eine Alternative zum gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft zu überlegen.

Tipp 2: Versorgungsausgleich im Ehevertrag regeln

In einem Ehevertrag kann festgelegt werden, dass die Beteiligungsquote nicht fifty-fifty beträgt, sondern zum Beispiel 60:40. Ein Ehepaar kann beispielsweise vereinbaren, dass Versorgungsanwartschaften eines bestimmten Zeitraums nicht angerechnet werden. Üblich ist die Vereinbarung, dass das Trennungsjahr nicht mehr berücksichtigt wird.

Scheiden tut weh? In den meisten Fällen vermutlich schon. Dennoch können auch kurz vor einer Trennung noch schwerwiegende Fehler vermieden werden.

Tipp 3: In der Krise besonders wachsam sein

Der Gesetzgeber hat geregelt, dass als Ehezeit die Zeitspanne bis zum Ende des Monats vor Zustellung des Scheidungsantrags gewertet wird. Es spielt also keine Rolle, ob die Beziehung schon früher in die Brüche gegangen ist und das Paar eventuell längst getrennt lebt.


Deshalb: Seien Sie besonders aufmerksam, wenn Ihr Noch-Partner in einer Beziehungskrise die Finanzen neu ordnen will! Werden Sie hellhörig, wenn er oder sie bei einer bestehenden Lebensversicherung ein Renten- bzw. Kapitalwahlrecht ausübt!

Tipp 4: Wer Bescheid weiß, den belohnt das Leben

Auch vor dem Scheidungsantrag kann erfragt werden, ob und in welcher Höhe man ausgleichsberechtigt bzw. ausgleichsverpflichtet ist. Haben Sie die Unterlagen des Partners in Kopie vorliegen, ist dies natürlich kein Problem.


Jeder Ehegatte hat darüber hinaus einen Auskunftsanspruch. Dies bedeutet, dass sein Partner alle benötigten Informationen zur Verfügung stellen muss. Außerdem sind alle Versorgungsträger, wie z. B. die gesetzlichen Rentenversicherungsträger, Beamtenversorgungsträger und öffentlich-rechtliche Versorgungsträger, Arbeitgeber und ehemalige Arbeitgeber, zur Auskunft verpflichtet.

Tipp 5: Die Weichen für später stellen

Stehen Sie kurz vor einer Trennung, sollten Sie Ihre Versicherungsunterlagen genau überprüfen. Denken Sie auch über das vereinbarte Bezugsrecht nach und ändern Sie es gegebenenfalls. Überlegen Sie, ob Sie ein Renten- oder Kapitalwahlrecht jetzt ausüben wollen; dies kann Ihre Versorgungssituation verbessern oder verschlechtern. Informieren Sie sich genau über die Auswirkungen eines Renten- oder Kapitelwahlrechts auf Zugwinnausgleich und Versorgungsausgleich.

Tipp 6: Keine übereilten Aktionen

Leichter gesagt als getan: Versuchen Sie, trotz der Krise einen klaren Kopf zu bewahren. Informieren Sie sich so umfassend wie möglich und setzen Sie auf professionelle Hilfe.


Bei jeder zehnten Kündigung einer Lebensversicherung ist der Grund hierfür eine Scheidung. Dies bringt in der Regel Nachteile und Verluste mit sich. Häufig gibt es Alternativen zur Kündigung:

  • Ansprüche der Ehepartner können unter Umständen auch über Güter oder andere Geldanlagen ausgeglichen werden.
  • Oft ist es möglich, nur den benötigten Betrag aus dem Vertrag zu kündigen.
  • Um Liquidität zu schaffen, wird von Versicherungsunternehmen häufig eine Beitragsfreistellung angeboten.

Tipp 7: Schnelle Scheidung oder erst abwarten?

Zwar kann es aus steuerlichen oder anderen finanziellen Gründen überlegenswert sein, die Scheidung etwas zu verschieben. Das alte Argument des Rentner- bzw. Pensionsprivilegs, das bedeutete, dass die eigene Rente bzw. Beamtenpension erst dann gekürzt wurde, wenn der Ausgleichsberechtigte auch seine Rente bzw. Pension erhält, gilt seit der Reform von 2009 jedoch nicht mehr.


Ob grundsätzlich die möglichen finanziellen Vorteile eine höhere Nervenbelastung rechtfertigen oder doch ein schneller Schluss-Strich gezogen werden sollte, muss jeder selbst entscheiden.

Tipp 8: Beim vorzeitigen Rentenbeginn genau rechnen

Geht Ihr ausgleichspflichtiger Ex-Partner früher in den Ruhestand als ursprünglich geplant, sollten Sie sich auf jeden Fall Rat bei einem Rentenberater oder der gesetzlichen Rentenversicherung einholen. Wichtige Stichwörter sind hier Wartezeit und freiwillige Mindestbeiträge.

Tipp 9: Riester-Förderung nicht vergessen

Stand einer Person die Riester-Förderung nur über den Ehepartner zu, erhält sie für die Kalenderjahre nach der Scheidung keine Zulagen mehr. Der Vertrag kann selbstverständlich dennoch weitergeführt werden. Wer sich auch später die volle Riester-Förderung sichern will, kann dies nicht nur durch eine versicherungspflichtige Beschäftigung tun, sondern auch durch eine freiwillige Aufzahlung auf den vollen Rentenversicherungsbeitrag, wenn er einen Minijob hat.

Tipp 10: Auch beim Familiengericht gilt: Kontrolle ist besser!

Lassen Sie auf jeden Fall die Entscheidung des Familiengerichts prüfen:

  • Meist wird nur eine Standardlösung angeboten, ermittelt über ein Computerprogramm. In vielen Fällen ist jedoch ein alternativer Weg beim Versorgungsausgleich möglich.
  • Ein typischer Fehler: Die ehezeitliche Rentenanwartschaft stimmt nicht. Dies liegt häufig daran, dass rentenrechtliche Zeiten (zum Beispiel für Kindererziehung, Ausbildung, Arbeitslosigkeit oder Krankheit) fehlen. Auch das zugrunde gelegte Bruttoeinkommen oder die angenommene Ehezeit können falsch sein.

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