Scheidung und Altersvorsorge – die aktuelle Gesetzeslage 2026

Scheidung und Altersvorsorge - die aktuelle Gesetzeslage 2026

Es ist ein Wendepunkt im Leben, ein Neuanfang, der mit vielen Fragen und Unsicherheiten einhergeht: Die Scheidung. Neben den emotionalen Herausforderungen spielen auch finanzielle Aspekte eine zentrale Rolle, insbesondere die Frage der Altersvorsorge. Was passiert mit dem angesparten Vermögen, das für ein sorgenfreies Leben im Ruhestand gedacht war? Keine Sorge, du bist nicht allein! Lass uns gemeinsam einen Blick auf die aktuelle Gesetzeslage 2026 werfen und herausfinden, wie du deine finanzielle Zukunft nach der Scheidung gestalten kannst.

Die Scheidung und deine Altersvorsorge: Ein Überblick

Eine Scheidung betrifft viele Bereiche deines Lebens, und die Altersvorsorge ist dabei ein besonders wichtiger Punkt. Es geht darum, fair zu teilen, was während der Ehe gemeinsam erwirtschaftet wurde, und gleichzeitig sicherzustellen, dass beide Partner auch nach der Scheidung eine solide Basis für den Ruhestand haben. Die gesetzlichen Regelungen sollen dabei helfen, eine gerechte Lösung zu finden, die deine individuellen Bedürfnisse berücksichtigt.

Der Versorgungsausgleich: Kernstück der Aufteilung

Der Versorgungsausgleich ist das zentrale Element bei der Aufteilung der Altersvorsorge im Falle einer Scheidung. Er soll sicherstellen, dass die während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften fair zwischen den Partnern aufgeteilt werden. Stell dir vor, ihr habt beide über Jahre hinweg in eure Rentenkassen eingezahlt. Der Versorgungsausgleich sorgt dafür, dass diese Ansprüche im Falle einer Scheidung hälftig aufgeteilt werden – ganz egal, wer mehr oder weniger verdient hat. Das Ziel ist es, eine gewisse Gerechtigkeit herzustellen und sicherzustellen, dass keiner der Partner benachteiligt wird, weil er beispielsweise während der Ehezeit weniger oder gar nicht gearbeitet hat, um sich um die Familie zu kümmern.

Wie funktioniert der Versorgungsausgleich konkret?

Im Wesentlichen werden alle Anrechte auf Altersvorsorge, die während der Ehezeit entstanden sind, ermittelt und verglichen. Dazu gehören:

  • Gesetzliche Rentenversicherung (Deutsche Rentenversicherung)
  • Betriebliche Altersvorsorge (Pensionskassen, Pensionsfonds, Direktversicherungen)
  • Private Rentenversicherungen (Rürup-Rente, Riester-Rente)
  • Beamtenversorgung

Die Differenz zwischen den Anrechten der beiden Ehepartner wird dann hälftig geteilt. Der Partner mit den höheren Anrechten gibt einen Teil davon an den Partner mit den niedrigeren Anrechten ab. Dies geschieht in der Regel durch eine interne oder externe Teilung der jeweiligen Versorgungsverträge.

Beispiel:

Nehmen wir an, du hast während der Ehe Rentenanwartschaften in der gesetzlichen Rentenversicherung im Wert von 100.000 Euro erworben, dein Partner hingegen nur im Wert von 60.000 Euro. Die Differenz beträgt 40.000 Euro. Im Rahmen des Versorgungsausgleichs erhält dein Partner die Hälfte dieser Differenz, also 20.000 Euro, von deinen Anwartschaften übertragen.

Ausnahmen und Besonderheiten beim Versorgungsausgleich

Obwohl der Versorgungsausgleich grundsätzlich für alle während der Ehe erworbenen Anwartschaften gilt, gibt es einige Ausnahmen und Besonderheiten, die du kennen solltest:

  • Geringfügige Differenzen: Wenn die Differenz der Anwartschaften sehr gering ist (unterhalb einer bestimmten Bagatellgrenze), kann das Gericht von einem Versorgungsausgleich absehen.
  • Kurze Ehedauer: Bei einer Ehedauer von weniger als drei Jahren findet in der Regel kein Versorgungsausgleich statt. Es sei denn, einer der Partner beantragt ihn ausdrücklich.
  • Unbilligkeit: In Härtefällen kann das Gericht den Versorgungsausgleich ganz oder teilweise ausschließen, wenn er für einen der Partner eine unzumutbare Härte darstellen würde. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn ein Partner während der Ehe schwerwiegend gegen seine ehelichen Pflichten verstoßen hat oder wenn er über erhebliche andere Vermögenswerte verfügt.
  • Ehevertrag: Durch einen Ehevertrag können die Ehepartner den Versorgungsausgleich ganz oder teilweise ausschließen oder modifizieren. Allerdings müssen solche Vereinbarungen notariell beurkundet werden und dürfen nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Sie dürfen insbesondere nicht dazu führen, dass ein Partner unangemessen benachteiligt wird.

Es ist wichtig, diese Ausnahmen zu kennen, um deine Rechte und Pflichten im Scheidungsverfahren besser einschätzen zu können.

Deine private Altersvorsorge im Blick

Neben der gesetzlichen und betrieblichen Altersvorsorge spielt auch deine private Altersvorsorge eine wichtige Rolle. Hier gibt es verschiedene Formen, die im Falle einer Scheidung unterschiedlich behandelt werden.

Rürup-Rente (Basisrente)

Die Rürup-Rente ist eine staatlich geförderte Form der Altersvorsorge, die vor allem für Selbstständige und Freiberufler interessant ist. Im Falle einer Scheidung wird die Rürup-Rente in der Regel im Rahmen des Versorgungsausgleichs berücksichtigt. Das bedeutet, dass die während der Ehezeit angesparten Beiträge hälftig geteilt werden. Die Teilung erfolgt in der Regel durch eine interne Teilung, bei der der Ex-Partner einen eigenen Vertrag bei demselben Anbieter erhält.

Riester-Rente

Auch die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Altersvorsorge, die vor allem für Arbeitnehmer und Familien mit Kindern attraktiv ist. Im Falle einer Scheidung wird die Riester-Rente ebenfalls im Rahmen des Versorgungsausgleichs berücksichtigt. Die Teilung erfolgt in der Regel durch eine externe Teilung, bei der der Ex-Partner einen eigenen Riester-Vertrag bei einem Anbieter seiner Wahl abschließen kann.

Private Rentenversicherung (ohne staatliche Förderung)

Private Rentenversicherungen ohne staatliche Förderung werden im Falle einer Scheidung wie anderes Vermögen behandelt. Das bedeutet, dass der Wert der Versicherung in die Berechnung des Zugewinnausgleichs einfließt. Der Zugewinnausgleich ist ein Ausgleichsanspruch, der entsteht, wenn ein Ehepartner während der Ehe einen höheren Vermögenszuwachs erzielt hat als der andere. Der Partner mit dem höheren Zugewinn muss dann die Hälfte der Differenz an den anderen Partner auszahlen.

Lebensversicherung

Auch Lebensversicherungen werden im Falle einer Scheidung wie anderes Vermögen behandelt und fließen in die Berechnung des Zugewinnausgleichs ein. Es ist wichtig, den aktuellen Rückkaufswert der Lebensversicherung zu ermitteln, um den Wert korrekt anzugeben.

Der Zugewinnausgleich: Mehr als nur Altersvorsorge

Der Zugewinnausgleich ist ein wichtiger Aspekt der Vermögensauseinandersetzung im Falle einer Scheidung. Er betrifft nicht nur die Altersvorsorge, sondern auch alle anderen Vermögenswerte, die während der Ehezeit hinzugewonnen wurden.

Was ist Zugewinn?

Zugewinn ist der Vermögenszuwachs, den ein Ehepartner während der Ehe erzielt hat. Um den Zugewinn zu berechnen, wird das Anfangsvermögen bei Eheschließung und das Endvermögen bei Zustellung des Scheidungsantrags ermittelt. Die Differenz zwischen diesen beiden Werten ist der Zugewinn.

Wie wird der Zugewinnausgleich berechnet?

Zunächst wird der Zugewinn jedes Ehepartners separat berechnet. Dann wird die Differenz zwischen den beiden Zugewinnen ermittelt. Der Partner mit dem höheren Zugewinn muss die Hälfte dieser Differenz an den anderen Partner auszahlen.

Beispiel:

Nehmen wir an, du hast während der Ehe einen Zugewinn von 100.000 Euro erzielt, dein Partner hingegen nur von 40.000 Euro. Die Differenz beträgt 60.000 Euro. Im Rahmen des Zugewinnausgleichs musst du deinem Partner die Hälfte dieser Differenz, also 30.000 Euro, auszahlen.

Was gehört zum Vermögen?

Zum Vermögen gehören alle Vermögenswerte, die einem Ehepartner gehören, wie zum Beispiel:

  • Immobilien
  • Aktien und Wertpapiere
  • Bankguthaben
  • Lebensversicherungen
  • Private Altersvorsorge (soweit sie nicht dem Versorgungsausgleich unterliegt)
  • Fahrzeuge
  • Sonstige Wertgegenstände (z.B. Schmuck, Kunstgegenstände)

Es ist wichtig, alle Vermögenswerte korrekt anzugeben, um eine faire Berechnung des Zugewinnausgleichs zu gewährleisten.

Schritte zur Sicherung deiner Altersvorsorge nach der Scheidung

Die Scheidung ist ein komplexer Prozess, der viele Fragen aufwirft. Hier sind einige konkrete Schritte, die du unternehmen kannst, um deine Altersvorsorge nach der Scheidung zu sichern:

  1. Informiere dich umfassend: Sammle alle Informationen über deine Altersvorsorge, einschließlich der gesetzlichen Rentenversicherung, betrieblichen Altersvorsorge und privaten Vorsorgeverträge.
  2. Lass dich beraten: Suche dir einen erfahrenen Anwalt für Familienrecht und einen unabhängigen Finanzberater, die dich bei der Vermögensauseinandersetzung und der Gestaltung deiner Altersvorsorge unterstützen können.
  3. Erstelle eine Vermögensaufstellung: Erstelle eine detaillierte Aufstellung aller deiner Vermögenswerte, einschließlich Immobilien, Aktien, Bankguthaben und Versicherungen.
  4. Prüfe deine Versicherungen: Überprüfe deine Lebensversicherung und passe gegebenenfalls die Bezugsberechtigten an.
  5. Plane deine finanzielle Zukunft: Erstelle einen Finanzplan, der deine Einnahmen, Ausgaben und Sparziele berücksichtigt. Überlege, wie du deine Altersvorsorge weiter aufbauen kannst, um deine finanzielle Sicherheit im Alter zu gewährleisten.
  6. Denke positiv: Eine Scheidung ist ein Neuanfang. Nutze die Chance, deine finanzielle Zukunft neu zu gestalten und deine eigenen Ziele zu verfolgen.

Emotionale Aspekte: Loslassen und nach vorne schauen

Die Scheidung ist nicht nur ein juristischer und finanzieller Prozess, sondern auch eine emotionale Herausforderung. Es ist wichtig, sich Zeit zu nehmen, um die Trennung zu verarbeiten und die eigenen Bedürfnisse zu erkennen. Sprich mit Freunden, Familie oder einem Therapeuten, um dich emotional zu unterstützen. Konzentriere dich auf deine Stärken und deine Ziele für die Zukunft. Die Scheidung kann eine Chance sein, ein neues, erfülltes Leben zu beginnen.

Denke daran: Du bist stark und kannst diese Herausforderung meistern. Mit der richtigen Planung und Unterstützung kannst du deine finanzielle Zukunft nach der Scheidung sichern und ein glückliches und erfülltes Leben führen.

Expertentipps für deine finanzielle Sicherheit

Um dir noch mehr Sicherheit und Klarheit zu geben, habe ich hier einige Expertentipps für dich zusammengestellt:

  • Frühzeitige Beratung: Je früher du dich beraten lässt, desto besser. Ein Anwalt und ein Finanzberater können dir helfen, deine Rechte und Pflichten zu verstehen und eine Strategie für die Vermögensauseinandersetzung zu entwickeln.
  • Transparenz: Sei ehrlich und transparent gegenüber deinem Anwalt und deinem Finanzberater. Je mehr Informationen sie haben, desto besser können sie dich beraten.
  • Verhandlungen: Sei bereit, zu verhandeln. Die Vermögensauseinandersetzung ist oft ein Kompromiss. Versuche, eine Lösung zu finden, die für beide Seiten akzeptabel ist.
  • Dokumentation: Dokumentiere alle wichtigen Informationen und Vereinbarungen schriftlich. Dies kann dir helfen, Missverständnisse zu vermeiden und deine Rechte durchzusetzen.
  • Unabhängigkeit: Triff deine eigenen Entscheidungen. Lass dich nicht von anderen beeinflussen, sondern höre auf dein Bauchgefühl und deine eigenen Bedürfnisse.

Neustart mit Zuversicht: Deine finanzielle Zukunft gestalten

Die Scheidung mag ein schmerzhafter Einschnitt sein, aber sie ist auch eine Chance für einen Neuanfang. Nutze diese Chance, um deine finanzielle Zukunft neu zu gestalten und deine eigenen Ziele zu verfolgen. Mit der richtigen Planung und Unterstützung kannst du deine Altersvorsorge sichern und ein glückliches und erfülltes Leben führen.

Denke positiv, sei mutig und glaube an dich selbst. Du hast die Kraft, deine Zukunft zu gestalten. Ich wünsche dir alles Gute auf deinem Weg!

FAQ: Häufige Fragen zur Scheidung und Altersvorsorge

Was passiert mit meiner Rentenversicherung bei einer Scheidung?

Deine Rentenversicherung wird im Rahmen des Versorgungsausgleichs berücksichtigt. Die während der Ehezeit erworbenen Anwartschaften werden hälftig zwischen dir und deinem Ex-Partner aufgeteilt. Die genaue Vorgehensweise hängt von der Art der Rentenversicherung ab (gesetzlich, betrieblich, privat).

Wie wird der Zugewinnausgleich berechnet?

Der Zugewinnausgleich wird berechnet, indem der Vermögenszuwachs jedes Ehepartners während der Ehe ermittelt wird. Die Differenz zwischen den beiden Zugewinnen wird hälftig geteilt. Der Partner mit dem höheren Zugewinn muss die Hälfte der Differenz an den anderen Partner auszahlen.

Was ist ein Ehevertrag und wie beeinflusst er die Scheidung?

Ein Ehevertrag ist eine Vereinbarung zwischen den Ehepartnern, die vor oder während der Ehe geschlossen werden kann. Im Ehevertrag können die Ehepartner Regelungen zur Vermögensauseinandersetzung, zum Unterhalt und zum Versorgungsausgleich treffen. Ein Ehevertrag kann die Scheidung erheblich beeinflussen, da er von den gesetzlichen Regelungen abweichen kann.

Kann ich auf den Versorgungsausgleich verzichten?

Grundsätzlich ist es möglich, auf den Versorgungsausgleich zu verzichten. Allerdings muss dies notariell beurkundet werden und darf nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Ein Verzicht auf den Versorgungsausgleich kann unwirksam sein, wenn er zu einer unangemessenen Benachteiligung eines der Partner führt.

Was passiert mit meiner Immobilie bei einer Scheidung?

Die Immobilie wird im Rahmen der Vermögensauseinandersetzung berücksichtigt. Die Ehepartner können sich einigen, die Immobilie gemeinsam zu verkaufen und den Erlös zu teilen, oder einer der Partner übernimmt die Immobilie und zahlt den anderen Partner aus. Wenn keine Einigung erzielt werden kann, entscheidet das Gericht.

Wie finde ich einen guten Anwalt für Familienrecht?

Du kannst einen Anwalt für Familienrecht über Empfehlungen von Freunden oder Bekannten finden, über Online-Portale oder über die Anwaltskammer. Achte darauf, dass der Anwalt Erfahrung im Familienrecht hat und sich mit den Besonderheiten der Scheidung und Vermögensauseinandersetzung auskennt.

Was kostet eine Scheidung?

Die Kosten einer Scheidung hängen vom Streitwert ab. Der Streitwert wird anhand des Vermögens und der Einkommensverhältnisse der Ehepartner berechnet. Zusätzlich fallen Anwalts- und Gerichtskosten an. Es ist ratsam, sich vorab über die zu erwartenden Kosten zu informieren.

Wie kann ich meine finanzielle Zukunft nach der Scheidung sichern?

Sichere deine finanzielle Zukunft, indem du deine finanzielle Situation analysierst, einen Finanzplan erstellst, deine Altersvorsorge überprüfst und gegebenenfalls anpasst, und dich von einem unabhängigen Finanzberater beraten lässt.

Was ist, wenn mein Ex-Partner während der Ehe Schulden gemacht hat?

Schulden, die während der Ehe von einem der Partner gemacht wurden, können im Rahmen des Zugewinnausgleichs berücksichtigt werden. Es ist wichtig, alle Schulden anzugeben, um eine faire Berechnung des Zugewinnausgleichs zu gewährleisten.

Wie beeinflusst eine lange Ehe den Versorgungsausgleich?

Je länger die Ehe gedauert hat, desto höher sind in der Regel die Rentenanwartschaften, die im Rahmen des Versorgungsausgleichs aufgeteilt werden. Bei einer langen Ehe ist der Versorgungsausgleich daher oft ein wichtiger Faktor bei der Vermögensauseinandersetzung.

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