Junge Familien

 

Vorsicht Falle!

Wo lauern die Lücken in der gesetzlichen Absicherung?

Jeder gesetzlich Krankenversicherte hat bemerkt, dass Leistungen der Krankenkassen in den letzten Jahren gekürzt wurden. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung gab es wesentlich deutlichere Einschnitte – Abschaffung der Berufsunfähigkeitsrente für Jüngere, Kürzungen bei Witwenrenten etc. -, die aber weitgehend unbemerkt blieben.

Irrtum Nummer 1: Gesetzlich Versicherte sind bei Berufsunfähigkeit geschützt.

Nein – die gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente können nur Personen erhalten, die vor dem Stichtag 1. Januar 1961 geboren wurden. Alle jüngeren Arbeitnehmer sind verpflichtet, sich einen anderen Job zu suchen, wenn sie in ihrem ursprünglichen Beruf krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten können, aber noch in anderen Berufen arbeiten könnten, und zwar unabhängig von der beruflichen Qualifikation. Bei der heutigen Situation führt diese Vorgabe häufig in den Billiglohnsektor oder sogar direkt in die Arbeitslosigkeit.


Die volle gesetzliche Erwerbsminderungsrente erhält nur, wer aus gesundheitlichen Gründen weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Versicherungsrechtliche Voraussetzung hierfür ist übrigens unter anderem die sogenannte Wartezeit (= versicherte Zeit) von fünf Jahren. Das bedeutet: Berufsanfänger haben in der Regel keinerlei Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

Irrtum Nummer 2: Die Witwen- bzw. Witwerrente beträgt gut die Hälfte des Einkommens des verstorbenen Ehegatten.

Nein – die große Witwenrente beträgt derzeit 55 Prozent des Rentenanspruchs (!) des Verstorbenen. Sie richtet sich also nicht nach dem Einkommen des Verstorbenen, sondern nach seiner Rente bzw. seinem Anspruch auf die Altersrente, die zudem noch zu versteuern ist. Wer Kinder erzieht, erhält eine Kinderkomponente dazu. Wer unter 45 Jahre alt ist und keine Kinder erzieht, hat nur Anspruch auf eine kleine Witwen- bzw. Witwerrente. Die kleine Witwenrente beträgt gerade 25 Prozent der Rente des Verstorbenen und wird meist auf zwei Jahre befristet gezahlt.

Irrtum Nummer 3: Kinder sind durch eine Waisenrente finanziell abgesichert, bis sie auf eigenen Beinen stehen.

Nein – die finanziellen Leistungen sind nicht hoch. Die Halbwaisenrente beträgt zehn Prozent des Rentenanspruchs des Verstorbenen – zuzüglich eines Zuschlags, der sich an seinen rentenrechtlichen Zeiten orientiert. Die Vollwaisenrente beträgt zwanzig Prozent der Summe der Renten der beiden Verstorbenen – zuzüglich eines Zuschlags, der rentenrechtliche Zeiten beider Elternteile in die Berechnung einfließen lässt.


Auch hier spielt die sogenannte Wartezeit eine Rolle: Waren die Eltern Berufsanfänger, erhalten die Waisen keinerlei Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung.

 

Fazit: Je jünger der Versorger ist, desto schlechter steht es um die staatliche Absicherung für ihn und seine Familie.

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