Hinterbliebenenschutz: Die Familie richtig absichern

Wer seine Familie oder andere ihm nahe stehende Personen richtig absichern will, sollte wissen, wie hoch – oder besser gesagt – wie gering die gesetzliche Hinterbliebenenrente ausfallen würde. Erfahrungsgemäß werden die Leistungen der Rentenversicherung deutlich überschätzt. Zugleich wissen viele Menschen gar nicht, wie viel Geld ihre Angehörigen im Fall der Fälle benötigen würden, um den Lebensstandard auch nur annähernd halten zu können.

 

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Wer gilt als Hinterbliebener?

Je nach Vorsorgevariante eine andere Definition.

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Es hängt von der Art der Altersvorsorge ab, in welchem Verhältnis Personen zueinander stehen müssen, um Anspruch auf Hinterbliebenenschutz zu haben.

Gesetzliche Rentenversicherung

Ehegatten und eingetragene Lebenspartner:


Die Haltung der gesetzlichen Rentenversicherung ist eindeutig: Nur wenn ein Paar verheiratet ist bzw. seine Lebensgemeinschaft hat eintragen lassen, erwirbt auch der Partner des Versicherten Ansprüche auf Leistungen. Einzig der gesetzlich anerkannte Partner kann eine Witwen- bzw. Witwerrente beziehen.

Spezielle Aspekte:

  • Seit dem 01.01. 2005 sind eingetragene Lebenspartnerschaften Ehen rechtlich weitgehend gleich gestellt. Damit haben Lebenspartner ebenso wie Verheiratete gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung Ansprüche auf Hinterbliebenenversorgung, Rentensplitting, die Anrechnung von Zeiten der Kindererziehung sowie auf die Durchführung eines Versorgungsausgleichs bei einer Trennung.
  • Um sogenannte Versorgungsehen zu verhindern, muss die Ehe mindestens ein Jahr bestanden haben. Stirbt der gesetzlich Versicherte früher, muss der hinterbliebene Partner nachweisen, dass die Heirat nicht nur seine finanzielle Versorgung durch die gesetzliche Rentenversicherung sicherstellen sollte.
  • Seit Anfang 2009 sind in Deutschland religiöse Eheschließungen auch ohne vorherige standesamtliche Trauung möglich. Die Deutsche Rentenversicherung Bund betont jedoch ausdrücklich, dass auf der Basis von religiösen Eheschließungen alleine kein Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente entstehen kann.
  • Da eine religiöse Eheschließung ohne Termin beim Standesamt keinen Einfluss auf den gesetzlichen Familienstand hat, spielt sie auch bei Regelungen zu anderen Altersvorsorge-Modellen keine Rolle. Die so verbundenen Partner werden rechtlich weiter als Ledige betrachtet.
  • Wenig bekannt ist, dass auch Geschiedene eine Rente erhalten können, wenn sie ein Kind erziehen und ihr früherer Ehepartner stirbt. Diese Erziehungsrente dient somit als Unterhaltsersatz und gibt ihnen die Möglichkeit, sich verstärkt um die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern.

 

Kindergeldberechtigte Kinder:


Als Hinterbliebene gelten Kinder, die nach § 32 EStG (Kinderfreibetrag) berücksichtigungsfähig sind (vereinfacht gesagt: Kinder, für die noch Kindergeld gezahlt wird).

Riester-Rente

Bei einem Riester-Vertrag kann die Absicherung der Hinterbliebenen als Zusatzversicherung oder über das Bezugsrecht erfolgen.


Im Rahmen einer Zusatzversicherung können die Kinder, die nach § 32 EStG (Kinderfreibetrag) berücksichtigungsfähig sind, sowie der Ehepartner abgesichert werden. Wichtig zu wissen: Der Beitragsanteil, der auf Zusatzversicherungen entfallen darf, ist streng begrenzt.


Das Bezugsrecht im Todesfall regelt, wer bei Tod das Vertragsguthaben erhalten soll. Hier kann jede beliebige nahe stehende Person begünstigt werden. Somit können auch Lebensgefährten und eingetragene Lebenspartner abgesichert werden. Doch Vorsicht: Stirbt der Versicherte, erhält die im Vertrag aufgeführte Person zwar das Todesfallkapital, aber sämtliche Zulagen und ggf. steuerliche Förderungen werden abgezogen, sofern nicht der Ehegatte begünstigt ist!

Rürup-Rente

Die Rürup-Rente gleicht in vieler Hinsicht der gesetzlichen Rentenversicherung und zählt wie sie laut dem Drei-Schichten-Modell zur 1. Schicht (Basisversorgung).


Daher können bei der Rürup-Rente nur Kinder (§ 32 EStG) und Ehegatten abgesichert werden, nicht aber der eingetragene Lebenspartner oder Lebensgefährten.

Betriebliche Altersversorgung

Bei einer Betriebsrente umfasst der gesetzlich geregelte Hinterbliebenenschutz einen größeren Personenkreis als bei einer Riester- oder Rürup-Rente.


Hinterbliebene im Sinne der betrieblichen Altersversorgung sind Ehepartner bzw. eingetragene Lebenspartner, geschiedene Ehepartner, kindergeldberechtigte Kinder (§ 32 EStG) sowie auf Antrag nichteheliche Lebensgefährten im gemeinsamen Hausstand.

Private Renten- und Lebensversicherungen

Private Lebens- und Rentenversicherungen unterliegen hinsichtlich des Hinterbliebenenschutzes keinerlei Einschränkungen.


Für Risikolebensversicherungen, Kapitallebensversicherungen und private Rentenversicherungen gilt gleichermaßen: Es können beliebige Dritte finanziell abgesichert werden. Also beispielsweise nicht nur erwachsene Kinder, sondern auch der jeweilige Lebensgefährte oder andere, nahe stehende Personen.

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