Aus erster Hand

Hier finden Sie brandaktuelle Fachbeiträge von Experten rund um die Themen Altersvorsorge und Versicherungen — aus erster Hand.

 

Wer über private Pflege-Zusatzvorsorge nachdenkt, hat verschiedene Versicherungsmodelle zur Auswahl. Pflege-Experte Nico Babiak erklärt, worauf es bei der Wahl der richtigen Pflege-Zusatzversicherung wirklich ankommt.

 

 

Was bedeutet eigentlich pflegebedürftig, wann greift die gesetzliche Pflegeversicherung und welche Leistungen sind im Einzelnen genau abgedeckt?

Welche Möglichkeiten privater Pflege-Zusatzvorsorge gibt es, wo liegen die Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten und worauf ist bei der Wahl des richtigen Versicherungsprodukts zu achten?

Im Interview zeigt Betriebswirt und Fachjournalist Alexander Schrehardt auf, in welchen Fällen Angehörige für die Pflegekosten von Familienmitgliedern finanziell zur Verantwortung gezogen werden können.

Stand 20/06/2012

Eine gute Pflege-Zusatzversicherung erkennen

In unserer immer älter werdenden Gesellschaft steigt auch die Zahl pflegebedürftiger Menschen stetig an. So wird heute fast jeder Zweite über 80 zum Pflegefall. Da die gesetzliche Pflegeversicherung nur eine Grundversorgung abdeckt, ist eine private Pflege-Zusatzversicherung empfehlenswert. Dabei ist es allerdings nicht leicht, sich in dem Dschungel an Versicherungsvarianten und Tarifen einen Überblick zu verschaffen. Unser Experte Nico Babiak erläutert, worauf es bei der Wahl der richtigen Vorsorgelösung ankommt.

Um im Pflegefall finanziell abgesichert zu sein, ist eine private Pflege-Zusatzversicherung äußerst ratsam. Doch Pflegevorsorge ist nicht gleich Pflegevorsorge. Sowohl bei den Versicherungsvarianten als auch bei den Tarifen der einzelnen Anbieter gibt es grundlegende Unterschiede.

Leistung bei allen drei Pflegestufen und im Fall einer Demenzerkrankung

Unabhängig von der jeweiligen Versicherungsvariante sollte eine gute Pflege-Zusatzversicherung für alle drei Pflegestufen greifen – und nicht erst bei der höchsten Pflegestufe (Stufe III). Denn auch bei einer geringeren Pflegestufe können immense Zusatzkosten entstehen, da die Leistungskataloge der gesetzlichen Pflegeversicherung eng bemessen sind. Außerdem sollte man unbedingt darauf achten, dass auch Demenz im Tarif mit abgedeckt ist. Auch wenn diese Krankheit in gesundheitspolitischen Debatten immer mehr in den Vordergrund rückt, wird sie in der gesetzlichen Pflegeversicherung bisher nur unzureichend berücksichtigt.

 

Weitere Vor- und Nachteile ergeben sich aus den verschiedenen Versicherungsvarianten.

Grundsätzlich werden bei der privaten Pflegevorsorge drei Varianten unterschieden:

1. Pflegekostenversicherung

 

2. Pflegetagegeldversicherung

 

3. Pflegerentenversicherung

 

Je nach Einkommenslage und persönlicher Lebenssituation hat jede Variante ihre Vor- und Nachteile.

Wie der Name schon sagt, kommt die Pflegekostenversicherung für die zusätzlich anfallenden Kosten der Pflege auf, die nicht von der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung übernommen werden. Es erfolgt keine Kostenübernahme bei der Pflege durch Laien, häuslicher Pflege und für Leistungen außerhalb des Leistungskatalogs der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung. Um pflegende Angehörige finanziell abzusichern, ist dieses Modell daher gänzlich ungeeignet. Die Pflegekostenversicherung ist die unflexibelste Variante.

Die zweite Möglichkeit ist die Pflegetagegeldversicherung. Im Pflegefall garantiert sie dem Versicherten einen festen Tagessatz. Die Höhe des Tagessatzes richtet sich nach dem Grad der Pflegebedürftigkeit. Ein klarer Vorteil: Im Unterschied zur Pflegekostenversicherung sind die Auszahlungen bei dieser Variante nicht zweckgebunden – der Versicherte kann über das Geld frei verfügen. Damit eignet sich dieses Modell auch, um die eigene Familie bzw. pflegende Angehörige vor den finanziellen Folgen der Pflegebedürftigkeit abzusichern.

Die Pflegerentenversicherung ist die dritte Variante privater Pflegevorsorge. Bei Pflegebedürftigkeit erhält der Versicherte eine feste monatliche Rente, deren Höhe nicht von der Art der Pflege, sondern vom Grad der Pflegebedürftigkeit abhängt. Wie beim Pflegetagegeld kann der Versicherte auch hier über die monatlichen Auszahlungen frei verfügen. Eine Pflegerentenversicherung ist zwar das im Vergleich teuerste, aber auch das flexibelste Modell der privaten Pflege-Zusatzvorsorge. Dabei können bei vielen Versicherern weitere wichtige Produktbausteine, wie die Leistung im Todesfall oder eine Sofortleistung bei Pflegerentenbeginn, vereinbart werden

Gegenüber der Pflegekosten- und Pflegetagegeldversicherung hat die Pflegerentenversicherung einige klare Vorteile:

Garantierte Beitragsstabilität

Bei der Pflegekosten- sowie Pflegetagegeldversicherung können die Beiträge im Vertragsverlauf steigen, wenn die Ausgaben für Pflegeleistungen höher liegen als der Versicherer ursprünglich kalkuliert hatte. Das kann für den Versicherten schnell zu unvorhergesehenen Beitragssprüngen führen. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine Garantie für langfristig stabile Beiträge zu haben. Im Gegensatz zum Pflegetagegeld und der Pflegekostenversicherung bleiben die Beiträge bei der Pflegerentenversicherung stabil.

Dynamische Anpassung der Leistung

Wenn Einkommen und Lebensstandard im Lauf der Zeit steigen, können die Leistungen einer guten Pflegerentenversicherung auch während der Vertragslaufzeit durch eine sogenannte dynamische Anpassung erhöht werden. Die Erhöhung der Pflegeleistungen errechnet sich dabei aus der Beitragserhöhung. Nur etwa die Hälfte der Pflegetagegeldversicherer bietet diese Möglichkeit an, während die Anbieter von Pflegekostentarifen meist gar keine Dynamisierung vorsehen.

Beitragszahlung

Sowohl bei der Pflegekosten- als auch bei der Pflegetagegeldversicherung werden die Beitragszahlungen auch im Rentenalter und bei Pflegebedürftigkeit fortgesetzt. Dies ist bei der Pflegerentenversicherung nicht der Fall: Hier besteht die Beitragszahlungspflicht bis zum Beginn der Pflegerentenzahlungen oder einem vertraglich geregelten Endalter. Im Anschluss ist ein lebenslanger beitragsfreier Versicherungsschutz gegeben.

Weltweiter Versicherungsschutz

Auch wer in Erwägung zieht, im Alter ins außereuropäische Ausland auszuwandern, sollte sich für eine Pflegerentenversicherung entscheiden. Viele Tarife umfassen einen weltweiten Versicherungsschutz. Bei der Pflegekosten- und Pflegetagegeldversicherung ist dies meist nicht der Fall.

Vertragsunterbrechung/frühzeitige Vertragskündigung

Bei einer guten Pflegerentenversicherung ist eine Unterbrechung der Beitragszahlungen grundsätzlich möglich – beispielsweise aufgrund eines finanziellen Engpasses. Auch im Fall einer Kündigung wird das bis dato eingezahlte Geld in Teilen zurückerstattet und ist damit zumindest nicht ganz verloren. Demgegenüber ist bei Pflegekosten- und Pflegetagegeldversicherungen eine Unterbrechung der Beitragszahlungen zumeist nicht ohne Verlust des Versicherungsschutzes und der bis dahin entrichteten Beiträge möglich.

Kapitalsicherung im Todesfall

Was passiert mit den eingezahlten Beiträgen, wenn der Versicherte verstirbt, ohne pflegebedürftig geworden zu sein? Bei der Pflegerentenversicherung gibt es Tarife, die den Erben einen Großteil der eingezahlten Beiträge und die dem Vertrag zugeteilten Überschussanteile zurückerstatten.

„Best-of-Regelung“ im Leistungsfall

Die Anerkennung der Pflegebedürftigkeit und die Einstufung in die jeweiligen Pflegestufen erfolgen nach Prüfung der Pflegedefinition nach dem Sozialgesetzbuch (§§ 14 und 15 SGB XI). Einige Anbieter von Pflegerentenversicherungen prüfen zusätzlich den Leistungsanspruch nach einem Punktesystem. Dabei gibt es insgesamt sechs Punkte, wobei jedem Punkt eine eindeutige körperliche Grundfertigkeit, z. B. Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, zugeordnet wird. Je nach Tarif und Anbieter ist eine gewisse Anzahl an Punkten erforderlich, um in eine bestimmte Pflegestufe eingestuft zu werden. „Best-of-Regelung“ bedeutet, dass nach Prüfung der Pflegebedürftigkeit gemäß gesetzlicher Regelung und dem Punktesystem zur Feststellung der Leistung die höchste festgestellte Pflegestufe zu Grunde gelegt wird. Die alternative Leistungsprüfung nach dem Punktesystem gibt es bei Pflegekosten- und Pflegetagegeldversicherungen nicht.

Fazit

Die Wahl der richtigen Pflege-Zusatzversicherung hängt zu einem Großteil von der eigenen Lebenssituation ab.
Grundsätzlich gilt: Je flexibler ein Vorsorgeprodukt ist, desto besser kann es an die eigenen Lebensumstände angepasst werden.
In jedem Fall bietet es sich an, sich vor Vertragsabschluss von einem unabhängigen Fachmann beraten zu lassen. Versicherungsvarianten, Anbieter und die vertraglichen Konditionen sollten genau unter die Lupe genommen werden, um im Fall der Fälle auf eine stabile, flexible und vollumfängliche Absicherung zurückgreifen zu können.

Der Autor

Der Diplom-Kaufmann (FH), Nico Babiak, ist Produktmanager bei Swiss Life in Deutschland und als Projektleiter maßgeblich an der Produkteinführung der Pflegerente "Swiss Life Pflege- & Vermögensschutz" in Deutschland beteiligt.

Kommentare

Kommentar hinzufügen




* - Pflichtfeld

Keine Kommentare

Nach oben